Über 70 Forscher:innen aus ganz Europa nahmen an der Una Science Week teil, um die wissenschaftliche Grundlage für den Una Wild River Nationalpark zu schaffen. © Joshua D. Lim
Selbst die kleinsten Inseln der Una werden während der Una Science Week beprobt. © Joshua D. Lim
660 Flusskilometer, die es zu schützen gilt – die Una, Bosnien und Herzegowina. © Joshua D. Lim
Der bedrohte Donaulachs (Hucho hucho) in den kristallklaren Gewässern der Una – eine Art, deren Überleben von der Gesundheit des gesamten Flusssystems abhängt. © Arthur de Bruin
Eine möglicherweise noch unbeschriebene Süßwasserkrebsart, entdeckt während der Una Science Week. Sollte es sich bestätigen, wäre dies ihr erster formaler Nachweis im Una-Becken. © Bahrudin Bandić

Una Science Week: Wissenschaftler:innen legen die Grundlage für Europas nächsten Wildfluss-Nationalpark

Wien, Österreich | 9. Juni 2026 – Nach sieben Tagen intensiver Feldarbeit ist die Una Science Week erfolgreich zu Ende gegangen. Mehr als 70 Wissenschaftler:innen und Studierende aus verschiedenen Ländern untersuchten dabei ein Netzwerk von insgesamt 660 Flusskilometern in Bosnien und Herzegowina. Ziel der multidisziplinären Expedition war es, die wissenschaftliche Grundlage für eine gemeinsame und langfristige Vision zum Schutz des gesamten Einzugsgebiets der Una zu schaffen: den grenzüberschreitend Una Wild River Nationalpark (UWRNP).

Mit ihren einzigartigen Karstquellen, Tuffsteinwasserfällen und bedeutenden Beständen des bedrohten Donaulachses (Hucho hucho) zählt die Una zu den ökologisch wertvollsten Flusssystemen Europas. Ihr Schutz ist bislang jedoch lückenhaft, sodass weite Teile der Una und ihrer Nebenflüsse weiterhin zunehmendem Nutzungsdruck und baulichen Eingriffen ausgesetzt sind.

Geleitet vom Grundsatz, dass Artenvielfalt ein gesundes, durchgängiges Flusssystem erfordert, verfolgte die Expedition drei zentrale Ziele: die außergewöhnliche Biodiversität der Una und ihrer Nebenflüsse zu dokumentieren, akute Umweltbedrohungen zu erfassen und die Grundlagen für einen großflächigen Una Wild River Nationalpark zu erarbeiten.

Was die Una Science Week von herkömmlichen wissenschaftlichen Erhebungen unterscheidet, ist, dass die beteiligten Forscher:innen nicht nur Daten sammeln und auswerten, sondern sich zugleich als unabhängige Fürsprecher:innen der von ihnen untersuchten Ökosysteme verstehen – und damit wissenschaftliche Expertise und persönliches Engagement für deren Schutz verbinden.

„Wir vereinen rigorose, unabhängige Wissenschaft mit dem tiefen Engagement derjenigen, die diese Ökosysteme erforschen. Letztlich ist es die Leidenschaft, die einen Fluss schützt", sagte Prof. Gabriel Singer von der Universität Innsbruck, leitender Wissenschaftler der Una Science Week. „Wenn ich ein Fisch wäre, würde ich hier leben wollen. Dieses Gefühl spiegelt wider, was unsere Ergebnisse bestätigen: Die Una ist ein außergewöhnliches und artenreiches Flusssystem. Die während der Science Week erhobenen Daten liefern eine überzeugende wissenschaftliche Grundlage für ihren Schutz – von der Quelle bis zur Mündung."

Einem der Forschungsteams gelang aller Wahrscheinlichkeit nach ein bemerkenswerter Fund: Es könnte auf eine Süßwasserkrebsart gestoßen sein, die in dieser Region zwar bereits vor Jahrzehnten beobachtet wurde, seitdem jedoch weder wissenschaftlich erfasst noch näher untersucht worden ist. „Sollte sich bestätigen, dass es sich tatsächlich um diese Art handelt, wäre die Entdeckung so außergewöhnlich wie das Finden eines Drachen", sagte Biologe Dr. Dušan Jelić von BIOTA Ltd, Kroatisches Institut für Biodiversität, der die Untersuchung der Vorkommen und Verbreitung des Olms im Una-Einzugsgebiet leitete.

Die Expedition diente zugleich als Impuls für die nächste Generation von Flussschützer:innen und brachte Studierende aus der Region und aus dem Ausland zusammen. Während der gesamten Woche begleiteten nationale und internationale Medien, Filmteams und erfahrene Storyteller die Forscher:innen, hielten ihre Arbeit direkt vor Ort fest und vermittelten weltweit die Bedeutung evidenzbasierten Einsatzes für den Schutz lebendiger Flussökosysteme.

„An der Universität Bihać haben wir den wachsenden Druck auf die Una genau beobachtet – von einer immer stärkeren Verbauung der Ufer bis hin zu punktuellen Schadstoffeinleitungen, die ihre ökologische Gesundheit beeinträchtigen. Diese Bedrohungen machen nicht an politischen oder geografischen Grenzen halt. Deshalb markiert diese Science Week einen Wendepunkt: Erstmals machen wir das tatsächliche Ausmaß dessen sichtbar, was verloren gehen könnte, wenn es nicht gelingt, den Una Wild River Nationalpark zu verwirklichen", erklärte Dr. Vildana Alibabić, Biotechnische Fakultät der Universität Bihać.

„Um Flüsse tatsächlich lebendig zu halten, reicht es nicht aus, nur einzelne Abschnitte zu schützen. Um ihre Artenvielfalt langfristig zu bewahren, müssen wir ganze Flusssysteme unter Schutz stellen,“ ergänzte Ulrich Eichelmann, Geschäftsführer von Riverwatch. „In Europa ist das nur noch an wenigen Stellen möglich, da die meisten Flüsse bereits stark verbaut sind. An der Una bietet sich jedoch noch die einzigartige Chance, das Flussnetzwerk der Una mit über 660 km Länge zu erhalten – eine Chance von europäischer Dimension.“

Die Una Science Week wird von Riverwatch in Partnerschaft mit der Fondacija Atelje za društvene promjene – ACT und dem Centar za životnu sredinu / Center for Environment organisiert.